Wie läuft eine Immobilienbewertung ab?

Ob Verkauf, Erbschaft, Scheidung oder einfach Neugier: Wer den Wert seiner Immobilie kennen will, stößt schnell auf Online-Rechner, Maklereinschätzungen und Gutachter. Hier erfahren Sie, wie eine seriöse Bewertung abläuft, nach welchen Verfahren der Wert ermittelt wird und wann eine kostenlose Einschätzung genügt und wann Sie ein Gutachten brauchen.

Der Ablauf in fünf Schritten

  1. Anlass klärenDer Zweck bestimmt die Art der Bewertung. Für einen Verkauf genügt eine fundierte Marktwerteinschätzung, für Gericht oder Finanzamt braucht es oft ein Verkehrswertgutachten.
  2. Unterlagen zusammenstellenGrundbuchauszug, Grundrisse, Wohnfläche, Baujahr, Energieausweis und Nachweise über Modernisierungen. Fehlende Unterlagen sind für eine erste Einschätzung kein Hindernis.
  3. Besichtigung vor OrtZustand, Ausstattung, Grundriss, Lichtverhältnisse, Lärm und Mängel lassen sich nur vor Ort beurteilen. Das kann kein Online-Rechner.
  4. WertermittlungJe nach Objektart kommt das Vergleichswert-, Ertragswert- oder Sachwertverfahren zum Einsatz, ergänzt um den Bodenrichtwert und aktuelle Marktdaten.
  5. Ergebnis und BesprechungSie erhalten einen begründeten Wert oder eine Wertspanne. Beim Verkauf folgt daraus die Frage, mit welchem Angebotspreis Sie an den Markt gehen.

Die drei Wertermittlungsverfahren

Welche Verfahren anzuwenden sind, regelt die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV), die in ihrer aktuellen Fassung seit dem 1. Januar 2022 gilt. Sie kennt drei Verfahren:

VerfahrenGrundlageTypisch für
Vergleichswertverfahrentatsächlich erzielte Kaufpreise vergleichbarer ObjekteEigentumswohnungen, Reihenhäuser, Bauland
Ertragswertverfahrennachhaltig erzielbare Mieteinnahmen abzüglich der BewirtschaftungskostenMehrfamilienhäuser, vermietete Objekte, Gewerbe
SachwertverfahrenBodenwert plus Herstellungskosten der Gebäude abzüglich Alterswertminderung, angepasst an den Marktselbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser

In der Praxis werden die Verfahren oft kombiniert: Ein Einfamilienhaus wird zum Beispiel nach dem Sachwertverfahren bewertet und das Ergebnis mit Vergleichspreisen plausibilisiert.

Der Bodenrichtwert

Für den Wert des Grundstücks ist der Bodenrichtwert eine wichtige Orientierung. Ihn ermitteln die Gutachterausschüsse aus tatsächlichen Kaufpreisen (§ 196 BauGB). In Baden-Württemberg können Sie ihn online über BORIS-BW einsehen, das zentrale Bodenrichtwertportal der Gutachterausschüsse.

Marktwerteinschätzung oder Verkehrswertgutachten?

Beide zielen auf den Verkehrswert, also den Preis, der zum Stichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre (§ 194 BauGB). Sie unterscheiden sich aber in Umfang, Form und Verwendungszweck:

KriteriumMarktwerteinschätzungVerkehrswertgutachten
Erstellt vonMakler mit MarktkenntnisSachverständigen oder Gutachterausschuss
UmfangBesichtigung, Vergleichsdaten, begründetes Ergebnisausführliches Gutachten mit allen Berechnungen
Kostenbeim Makler meist kostenloskostenpflichtig, abhängig von Objekt und Umfang
Dauerwenige Tageoft mehrere Wochen
Geeignet fürVerkauf, Vermietung, Orientierung, Einigung unter ErbenGericht, Finanzamt, Scheidung, Streit unter Miteigentümern

Für einen Verkauf reicht eine gute Marktwerteinschätzung fast immer aus. Den Preis bestimmt am Ende ohnehin der Markt. Ein Gutachten brauchen Sie, wenn das Ergebnis gegenüber Dritten Bestand haben muss, etwa vor Gericht oder wenn Sie dem Finanzamt einen niedrigeren Wert für die Erbschaftsteuer nachweisen wollen.

Welche Bewertung für welchen Anlass?

Wie aufwendig die Bewertung sein muss, hängt vom Anlass ab. Eine Übersicht über die häufigsten Situationen:

AnlassGeeignete BewertungHinweis
VerkaufMarktwerteinschätzungGrundlage für den Angebotspreis
Einigung unter ErbenMarktwerteinschätzungGemeinsame, neutrale Zahl für alle Beteiligten; bei Streit eher ein Gutachten
Erbschaft- oder Schenkungsteuerin der Regel keineDas Finanzamt bewertet selbst; ein Gutachten nur, um einen niedrigeren Wert nachzuweisen
Scheidung, Zugewinnausgleichje nach LageEinigen sich beide Seiten, genügt oft eine Einschätzung; im Streitfall ein Gutachten
Finanzierungdurch die BankDie Bank ermittelt einen eigenen Beleihungswert
VermietungMarktmieteinschätzungMaßgeblich sind Vergleichsmieten und der örtliche Mietspiegel, soweit vorhanden

Beleihungswert ist nicht Verkehrswert: Banken setzen für die Finanzierung einen Beleihungswert an, der dauerhaft erzielbar sein soll und deshalb meist unter dem aktuellen Marktwert liegt. Wer den Wert seiner Immobilie aus einer Finanzierungszusage ableitet, unterschätzt ihn deshalb häufig.

Checkliste: Diese Unterlagen brauchen Sie

Für alle Immobilien

Zusätzlich bei Eigentumswohnungen

Zusätzlich bei vermieteten Objekten

Was den Wert beeinflusst

Neben Lage, Größe und Zustand gibt es Faktoren, die bei Schnellbewertungen leicht untergehen:

Warum Online-Rechner oft danebenliegen

Online-Bewertungen arbeiten mit Durchschnittswerten aus Postleitzahl, Baujahr und Wohnfläche. Was sie nicht sehen: den tatsächlichen Zustand, einen ungünstigen Grundriss, eine renovierte Küche, den Blick über das Remstal oder die Hauptstraße vor dem Schlafzimmer. Manche Rechner stützen sich zudem auf Angebotspreise aus Inseraten statt auf tatsächlich gezahlte Kaufpreise.

Als erste Orientierung sind sie brauchbar. Als Grundlage für einen Angebotspreis taugen sie nicht. Ein zu hoch angesetzter Preis verlängert die Vermarktung, ein zu niedriger verschenkt Geld.

Vom ermittelten Wert zum Angebotspreis

Der ermittelte Wert und der Angebotspreis im Inserat sind nicht dasselbe. Der Angebotspreis ist eine Vermarktungsentscheidung, die auf dem Wert aufbaut:

Bewertung im Rems-Murr-Kreis

Innerhalb des Rems-Murr-Kreises unterscheiden sich die Preise deutlich. In Städten mit direkter Anbindung an Stuttgart wie Fellbach oder Waiblingen gelten andere Maßstäbe als im Remstal um Schorndorf und Winterbach oder auf der Höhe in Welzheim. Selbst innerhalb eines Ortes machen Hanglage, Aussicht und Verkehrsanbindung einen spürbaren Unterschied. Deshalb gehört zu jeder seriösen Bewertung der Blick auf das konkrete Objekt und seine unmittelbare Umgebung.

Quellen und weiterführende Links

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick (Stand: September 2026). Eine Marktwerteinschätzung ersetzt kein Verkehrswertgutachten, wo ein solches rechtlich verlangt wird.

Häufige Fragen zur Immobilienbewertung

Wie lange dauert eine Immobilienbewertung?
Der Vor-Ort-Termin dauert je nach Objekt meist ein bis zwei Stunden. Die schriftliche Einschätzung erhalten Sie bei mir innerhalb von 24 Stunden nach dem Termin. Ein ausführliches Verkehrswertgutachten braucht dagegen oft mehrere Wochen.
Was kostet eine Immobilienbewertung?
Eine Marktwerteinschätzung ist bei vielen Maklern kostenlos, auch bei mir, und sie verpflichtet Sie nicht zum Verkauf. Ein Verkehrswertgutachten eines Sachverständigen ist kostenpflichtig; die Kosten richten sich nach Objekt und Umfang.
Welches Verfahren wird für ein Einfamilienhaus angewendet?
Bei selbst genutzten Einfamilienhäusern meist das Sachwertverfahren, dessen Ergebnis mit Vergleichspreisen abgeglichen wird. Bei vermieteten Häusern kann zusätzlich das Ertragswertverfahren eine Rolle spielen.
Wie genau sind Online-Rechner?
Sie liefern eine grobe Orientierung auf Basis von Durchschnittswerten. Zustand, Grundriss, Ausstattung und Mikrolage können sie nicht erfassen, deshalb weichen die Ergebnisse teils deutlich vom tatsächlich erzielbaren Preis ab.
Wo finde ich den Bodenrichtwert meines Grundstücks?
In Baden-Württemberg über BORIS-BW, das Bodenrichtwertportal der Gutachterausschüsse. Der Bodenrichtwert ist ein Durchschnittswert je Quadratmeter für eine Zone, nicht der Wert eines einzelnen Grundstücks.
Brauche ich für die Erbschaftsteuer ein Gutachten?
Nicht zwingend. Das Finanzamt ermittelt den Wert selbst nach dem Bewertungsgesetz. Ein Gutachten ist sinnvoll, wenn Sie nachweisen möchten, dass der tatsächliche Wert niedriger ist als der vom Finanzamt angesetzte.

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Kostenloser Vor-Ort-Termin, begründetes Ergebnis innerhalb von 24 Stunden, keine Verpflichtung.